21.1.11

Ein zäher Kampf

Der Haftbefehl lieferte nicht gerade Anlass zu grosser Hoffnung und nach der Akteneinsicht musste ich die Vernehmung des Mandanten zur Kenntnis nehmen. Er hatte, vor meiner Beauftragung, Angaben zur Sache gemacht. Mit den dort protokollierten Sätzen hatte er sich in einem Fall einen Tatbestand eingebrockt, der im Fall einer Verurteilung zu einer Mindeststrafe von 5 Jahren führen würde. Insgesamt war von einer Straferwartung von gut 7 Jahren auszugehen.

Denkbar schlechte Startbedindungen, die mündliche Haftprüfung war dementsprechend erfolglos. Die Strafkammer wollte sich zu Beginn der Verhandlung nicht von ihrer harten Linie abbringen lassen, eine Verständigung kam nicht zustande.

Erst eine Anzahl von Beweisanträgen konnte letztlich ein Umdenken bei der Kammer bewirken, dass bei einer Verurteilung nicht mehr von mindestens 5 Jahren, sondern nur noch von mindestens einem Jahr auszugehen sein dürfte. Kurz vor Weihnachten wurde dann auch der Haftbefehl aufgehoben.

Es folgten noch weitere Verhandlungstage und gestern dann das gute Ende: 2 Jahre Freiheitsstrafe, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurden!

Dieser Fall zeigt wieder, dass ein Beschuldigter folgende Punkte unbedingt beachten sollte:

- Frühzeitig einen Verteidiger beauftragen!
- Keine (wirklich KEINE) Aussage bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht, ohne zuvor einen Verteidiger befragt zu haben!

Es geht nicht immer so gut aus, wie das hier nach 13 Verhandlungstagen erreicht werden konnte. Was einmal in der Akte ist, ist nur schwer wieder aus der Welt zu schaffen...

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11.1.11

Der Winter hört nicht auf...

Nein, es geht nicht um den aktuellen Winter. Es geht um den Winter, für den man das Salz/Sand-Gemisch brauchte, das hier und hier schon mal Thema war. Meine damalige Prognose über den Verhandlungstermin war allerdings etwas optimistisch. Das Landgericht hat sich reichlich Zeit gelassen und will nun erst im Mai 2011 verhandeln. Bei der Gelegenheit können wir dann gleich den ersten Geburtstag der Klageerhebung feiern...

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"Moment, ich muss mal eben meinen Speicher leeren!"

Mit diesen Worten unterbrach heute in einer Verhandlung der Richter den wortreichen Redefluss des Beklagten. Eine schöne Umschreibung dafür, dass er zwischendurch mal zum Diktaphon greifen und die Ausführungen der letzten Minuten für die Nachwelt sichern wollte.

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10.1.11

Objektive Strafzumessungserwägungen am Landgericht

Die Anreise zu einem auswärtigen Landgericht verlief so gut, dass noch Zeit für einen Kaffee in der Kantine blieb. Am für Richter und Staatsanwälte reservierten Stammtisch war schon eine Strafkammer versammelt. Der Vorsitzende gab für die anstehende Verhandlung die Devise aus:
"Für jede Stunde Verhandlungsdauer gibts heute ein Jahr Freiheitsstrafe!"

Zum Glück ist es nicht meine Sache, die da verhandelt werden soll...

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17.7.10

Kreative Mandatsbeschaffer

Nun weiss ich endlich, warum manche Kollegen und -innen vor Arbeit kaum in den Schlaf finden: ein Bürogenosse täuscht Defekte an technischen Geräten vor und verwickelt harmlos herumsitzende Rocker und Gewerbetreibende ins Gespräch, in dessen Verlauf plötzlich Beratungsbedarf entsteht. Eine hoch geschätzte Kollegin bufft hemmungslos rückwärtsfahrend andere Verkehrsteilnehmer an, die dann zufällig auch einen Anwalt brauchen und gleich sie nehmen.

Mal sehen, welche Strategie mir so einfällt: vielleicht züchte ich Killertulpen, die harmlose Passanten anfallen und zu mir ins Büro schleppen.


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15.6.10

"Es sind Akten abzuholen..."

Ich liebe es, wenn solche Anrufe von der Staatsanwaltschaft kommen. Aber wenn dann mal wieder ein übervoller Umzugskarton für drei Tage zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt wird, dann sinkt die Laune. Zusätzlich wird in dem Begleitschreiben noch gedrängelt, weil weitere Akteneinsichtsgesuche vorlägen und man soll bei der Rückgabe natürlich auch schon wissen, zu wann man eine etwaige Einlassung fertig haben wird...



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7.6.10

Die Spammer stellen um

Ein Blick in den Spam-Ordner manchmal ganz interessant. Bisher fanden sich dort immer wieder mal mails für "Medikamente", die man(n) ja ganz dringend brauchen soll. In letzter Zeit werden diese aber von mails zahlenmäßig überholt, mit denen man zum Kauf von Luxusuhren überredet werden soll. Die brauche ich aber auch nicht...

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5.6.10

Man wird älter...

Das unaufhaltsames Voranschreiten der eigenen Lebenszeit zeigt sich schon jeden Morgen, wenn man in den Spiegel schaut. Ich habe heute früh bei der Zeitungslektüre noch ein weiteres Indiz gefunden: bald ist der "Landesvater", wenn es denn David McAllister wird, jünger als ich. Wo soll das noch hinführen...

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